Polizeiarbeit verändert sich. Die Frage ist: schnell genug?
Der fedpol-Jahresbericht 2025 zeigt, wie stark sich Kriminalität verschiebt: organisierte Netzwerke, Geldwäscherei, Cyberkriminalität, Social-Media-Rekrutierung, internationale Strukturen, Kryptowährungen, Desinformation und hybride Bedrohungen. fedpol betont dabei die Bedeutung nationaler und internationaler Zusammenarbeit, moderner Informationssysteme, biometrischer Identifikation und digitaler Analysetools.
Besonders deutlich: Polizei arbeitet heute nicht mehr nur auf der Straße. Sie arbeitet in Datenräumen, Netzwerken, Plattformen, Finanzströmen, internationalen Systemen und digitalen Beweisketten.
Die Schweiz reagiert darauf. Für 2026 steht unter anderem die Erarbeitung eines Nationalen Aktionsplans zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität im Vordergrund. Geplant sind stärkere Informationsflüsse, die Sensibilisierung nicht-polizeilicher Akteure und eine intensivere Zusammenarbeit mit ausländischen Polizeibehörden. Bis Ende 2027 ist zudem ein Gesetzespaket vorgesehen, um Strafverfolgungsbehörden wirksamere Instrumente an die Hand zu geben.
Das ist notwendig. Aber es wirft eine unbequeme Frage auf:
Sind Polizei, Gerichte und Behörden selbst organisatorisch, digital und personell schon dort, wo die Kriminalität längst ist?
Denn moderne Strafverfolgung braucht mehr als neue Befugnisse. Sie braucht interoperable Systeme, schnelle Datenverfügbarkeit, sichere Kommunikation, digitale Beweismittelketten, KI-Kompetenz, Cyber-Fachwissen, klare Prozesse zwischen Kantonen, Bund und Europa – und Mitarbeitende, die mit dieser Komplexität umgehen können.
Wird genug getan?
Es wird erkennbar mehr getan. Aber der Abstand zwischen krimineller Professionalität und institutioneller Umsetzung darf nicht grösser werden. Denn innere Sicherheit entscheidet sich künftig nicht nur an Einsatzorten – auch an Schnittstellen.
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